Feedback und die hohe Erwartungshaltung

Mai 25, 2024

Feedback

Zum Thema Feedback könnte ich aus dem Stegreif drei Blogartikel schreiben. Es gibt so viel zu diesem Thema zu sagen. Ich selbst habe schon so viele Erfahrungen damit gemacht, Feedback zu geben und zu bekommen. Einige davon möchte ich hier mit euch teilen. 

Feedback kann leider enttäuschend sein

Vielleicht kennt der eine oder andere das Phänomen, wenn man etwas geschaffen oder ein künstlerisches Werk vollendet hat und dann Feedback von anderen sucht. Neben dem Schreiben mache ich zum Beispiel sehr gerne Fotobücher. Ich liebe es, mit den Fotos Urlaubsgeschichten zu erzählen und die Stimmung eines Tages oder eines Ereignisses auf der Fotoseite festzuhalten. Dabei gestalte ich die Seiten fast wie Collagen, verwende verschiedene Formen und Rahmen, gebe den Fotos unterschiedliche Transparenzstufen und schaffe so ein richtiges Kunstwerk. Ich achte auf die Farben, damit die Seite in sich harmonisch ist. Die Farben der Fotos finden sich dann im Hintergrund oder in der Schriftfarbe wieder. Ich füge gerne Cliparts und Sticker ein, um das Thema noch mehr zu unterstreichen. Kurz gesagt: Ich stecke viel Energie, Zeit und meine ganze Kreativität in diese Fotobücher. Dann zeige ich sie meiner Familie und Freund:innen, erzähle mit meinem Verlobten Geschichten zu den einzelnen Bildern. Und dann passiert ein seltsames Phänomen: Die Rückmeldungen der Betrachter:innen sind verhalten bis zurückhaltend. Während ich noch ganz gespannt bin, was sie zur nächsten Seite sagen werden, halten sich die Rückmeldungen in Grenzen. Ich habe das Gefühl, dass niemand meine Fotobücher schätzt und bewundert. Bei den Fotobüchern fällt es mir immer noch schwer zu akzeptieren, dass niemand das eigene Werk so schätzen kann wie der:die Künstler:in selbst. 

Feedback kann falsch verstanden werden 

Beim Schreiben ist mir das inzwischen gelungen. Wenn ich meine Texte anderen zum Lesen gebe und aktiv um Feedback bitte, weiß ich genau, dass ich nicht zu viel erwarten darf. Denn niemand hat die gleichen Emotionen und Vorstellungen wie ich, als ich die Texte geschrieben habe. Die Texte, egal aus welcher Perspektive oder zu welcher Zeit ich sie schreibe, sind immer ein Stück von mir selbst. Ein kleines Stück meiner Seele steckt in diesen Texten, denn niemand kann sie so schreiben wie ich. Und das Feedback ist dann meistens sehr subjektiv und hat oft wenig mit dem zu tun, was ich beim Schreiben empfunden habe. Spannende Stellen finden zum Glück auch andere Leser:innen spannend, aber das meine ich gar nicht. Wenn ich meine Figuren beschreibe, habe ich meistens ein ganz klares Bild von ihnen vor Augen und kenne all ihre Hintergründe, ihre Sorgen, ihre Motivationen. Ich weiß, warum eine Figur in Kapitel drei diesen Gesichtsausdruck hat, weil sie in Kapitel dreißig diese oder jene Entscheidung trifft. Ich kenne meine Geschichten besser als jede:r andere und deshalb kann es passieren, dass das Feedback dann von mir falsch aufgenommen wird. 

Die hohe Erwartungshaltung

Wenn wir um Feedback bitten, haben wir doch eine klare Vorstellung davon, was wir wollen, oder? Zumindest geht es mir so. Denn wenn ich einen Text geschrieben oder ein Fotobuch gestaltet habe, dann erwarte ich mir ein gutes Feedback. Ich erwarte mir Lob und Begeisterung und eben eine positive Reaktion der Betrachter:innen oder Leser:innen. Niemand geht in ein Feedback mit der Erwartung, schlecht gemacht zu werden oder hofft auf Beleidigungen. Und weil unsere Erwartungen an das Feedback so hoch sind, werden wir leider oft enttäuscht. Auch wenn die Rückmeldungen positiv ausfallen und die Leser:innen oder Betrachter:innen sich beinahe überschlagen vor Lob und Bewunderung, ist es doch oftmals nicht genug. Wir wollen immer mehr und sind nie zufrieden mit dem, was wir bekommen. Warum ist das so? Das habe ich mich schon oft gefragt. Ich glaube, weil wir unser Herz und unsere Seele in unsere Kunstwerke stecken, egal ob es sich um ein Fotobuch, einen Text, ein Gemälde oder eine Skulptur handelt. Das Feedback kann nie widerspiegeln, was in uns vorgeht und wie wir uns dabei gefühlt haben. 

Das konstruktive Feedback 

Es gibt verschiedene Ansätze für Feedback. Je nachdem, wofür man Feedback möchte, kann man es auch entsprechend einfordern. Wenn ich ein Feedback zu einem Text haben möchte, dann sage ich der Person genau, in welche Richtung das Feedback gehen soll und worauf der Fokus liegen soll. Das heißt nicht, dass ich sage, ich will nur positives Feedback, sondern ich bitte darum, auf bestimmte Punkte zu achten und bitte um konstruktives Feedback, z.B. Ich hätte gerne Feedback zur Entwicklung dieser oder jener Figur oder ich hätte gerne Feedback zum roten Faden der Geschichte oder ich hätte gerne Feedback zum Schauplatz der Geschichte, ist er realistisch beschrieben? Gibt es zu viele Beschreibungen? 

Diese Art des Feedbacks macht es auch für die Person, die die Rückmeldungen geben soll, einfacher. Wenn ich eine:n Leser:in frage, wie fandest du meine Geschichte? Dann kommt meistens ein „Gut“ oder „Ich fand’s spannend“, aber die Details bleiben auf der Strecke. Wenn ich frage, was genau spannend war, dann kommt meistens ein „Na, die Geschichte“ oder „Eine Szene fand ich spannend“. Mit solchen Rückmeldungen kann man nicht viel anfangen. Das ist einfach zu oberflächlich. Wenn man den Feedbackgeber:innen aber genaue Anweisungen gibt und den Fokus auf eine bestimmte Sache legt, dann kommt schon eher eine Rückmeldung, mit der man etwas anfangen kann. Ich würde sagen, man muss es einfach ausprobieren, denn Übung macht die:den Meister:in! Am Anfang fühlt es sich komisch an, nach konkretem und konstruktivem Feedback zu fragen, aber mit der Zeit wird es besser, das verspreche ich, denn bei mir war es genauso. 

Hilfreich ist es auch, sich Leute aus dem Bereich zu suchen, in dem man selbst tätig ist. Also auch Schreibende oder Künstler:innen, die ansatzweise verstehen, wie man sich fühlt, wenn man Feedback für das eigene Werk einholt. Und vor allem sollte man Menschen um Feedback bitten, die einem grundsätzlich wohlgesonnen sind und es gut mit einem meinen. 

Gerne teilt eure Erfahrungen und Geschichten hier in einem Kommentar. Ich freue mich auf euer Feedback 😉 

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